Lonay VD: Einziges Frauengefängnis der Romandie erhält neue Räume
In der Schweiz sind weibliche Gefangene weitgehend unsichtbar und stellen lediglich 5,7 % der Gefängnisinsassen dar (BSO 2024).
Ihre Betreuung erfordert jedoch auf ihre individuellen Profile und Bedürfnisse zugeschnittene Maßnahmen.
Im Gefängnis La Tuilière in Lonay, dem einzigen Frauengefängnis der französischsprachigen Schweiz, verstärkt der Waadtländer Strafvollzugsdienst seine Bemühungen um Räumlichkeiten, die den aktuellen Anforderungen, insbesondere in Bezug auf Gleichstellung, Gesundheit und Wiedereingliederung, besser gerecht werden.
Pressekonferenz
In La Tuilière, dem einzigen Frauengefängnis der Lateinischen Schweiz, stellten Staatsrat Vassilis Venizelos, der Leiter des Strafvollzugsdienstes Raphaël Brossard, die stellvertretende Direktorin des SPEN, zuständig für die Wiedereingliederung, Cindy Von Bueren, und der Direktor der Einrichtung La Tuilière, David Lembrée, die Maßnahmen vor, die es ermöglichen sollen, den aktuellen Anforderungen in Bezug auf Gleichstellung, Gesundheit und Wiedereingliederung besser gerecht zu werden.
Inhaftierte Frauen unterscheiden sich von inhaftierten Männern durch ihre erhöhte Schutzbedürftigkeit und weisen häufig Profile auf, die durch eine erhebliche Prävalenz psychischer Erkrankungen und Suchterkrankungen gekennzeichnet sind. Vor ihrer Inhaftierung befanden sich viele von ihnen in prekären Lebenslagen, erlebten Zusammenbrüche und waren häufig Opfer von Gewalt. Viele sind zudem Mütter, was besondere Herausforderungen in Bezug auf Kindererziehung, emotionale Stabilität und die Aufrechterhaltung der Mutter-Kind-Bindung mit sich bringt.
Zwei Tage vor dem Internationalen Frauentag möchte der Kanton auf die oft übersehene Realität des Gefängnislebens aufmerksam machen, da der Strafvollzugsdienst (SPEN) seine Unterstützung im Gefängnis La Tuilière in Lonay verstärkt. La Tuilière ist das einzige Gefängnis in der französischsprachigen Schweiz, das ausschließlich Frauen vorbehalten ist, und wird derzeit umfassend modernisiert. Ab diesem Sommer wird es schrittweise neue, den aktuellen Bedürfnissen angepasste Räumlichkeiten bieten.
Neue Räumlichkeiten und zertifizierte Schulungsprogramme
Die Wiedereröffnung der Mutter-Kind-Station nach Renovierungsarbeiten ist somit für Sommer 2026 geplant, nach vierjähriger Schließung. Parallel dazu wird auf dem Gelände des zukünftigen Strafvollzugskomplexes Nord-Waadt erstmals im Kanton Waadt ein separater Besucherraum für Frauen eingerichtet. Dieser ist dem separaten Besucherraum für Männer in den Anstalten auf der Orbe-Ebene nachempfunden, der dort seit 1996 besteht.
In einer zweiten Phase wird La Tuilière die erste psychiatrische Station für weibliche Gefangene beherbergen. Mit sechs Betten wird sie neue Räumlichkeiten beziehen und ein geeignetes Betreuungsumfeld bieten. Bis 2027 wird schließlich ein neuer Familienbesuchsraum eingerichtet, um den Bedürfnissen von Familien, insbesondere bei Besuchen mit Kindern, besser gerecht zu werden.
Im Zuge dieses Transformationsprozesses wird La Tuilière auch als Pilotanlage für die zukünftige „digitale Einheit“ dienen, eine Einheit, die mit einem sicheren Tablet ausgestattet ist. Dieses Projekt, dessen Fertigstellung für Anfang 2027 geplant ist, wird die Verbindungen zur Außenwelt stärken und die Autonomie fördern, während gleichzeitig die Sicherheitsanforderungen erfüllt werden.
Parallel dazu führt die SPEN neben ihren Workshops neue Grund- und Zertifizierungsprogramme ein, darunter Berufsausbildungszertifikate (AFP) in den Bereichen Kochen, Hauswirtschaft und Nageldesign. Die Einrichtung fördert außerdem Aktivitäten zur Stärkung des Selbstvertrauens, wie das Projekt „Dancing for Tomorrow“, bei dem mehrere weibliche Gefangene im Jahr 2027 vor Publikum außerhalb des Gefängnisses auftreten werden.
Ein evaluierungsbasierter Ansatz
Im Rahmen der Umsetzung ihrer Reintegrationspolitik und der Modernisierung der Gefängnisinfrastruktur passt die SPEN seit mehreren Jahren ihre Unterstützungssysteme an, um den Inhaftierten die bestmögliche Unterstützung auf dem Weg zur Entlassung aus der Haft zu bieten und so das Rückfallrisiko zu verringern.
Die Verbesserung von Unterstützungsleistungen erfordert auch einen evaluierungsbasierten Ansatz. Die 2024 von der Universität Israel (UNIL) initiierte Studie zur Analyse von Rückfallquoten und Ausstiegspfaden aus der Wiedereingliederungshilfe (ARTAR) wird voraussichtlich im Herbst 2026 erste Ergebnisse liefern, um die Auswirkungen der umgesetzten Maßnahmen zu beleuchten und zukünftige Entwicklungen zu steuern.
Quelle: Kanton Waadt
Bildquelle: Kanton Waadt